Date: 2011, 24 June
The Kulturwissenschaftliches Institut (KWI), in collaboration with the Arbeitskreis Geschichte + Theorie is organizing a conference on miracles in the twentieth century. The Titel is "Unbegreifliche Zeiten: Wunder im 20. Jahrhundert."
The conference, organized by Alexander C.T. Geppert and Till Kössler, will be hold in Essen (Germany), from 19-21 March 2009.
CALL FOR PAPERS
Auf den ersten Blick scheinen Wunder nicht mehr in das 20. Jahrhundert
zu passen. Als Folge der viel zitierten "Entzauberung" sind die
überkommenen Wunderwelten aufgrund einer nie zuvor gesehenen
Proliferation von Wissen und der Einbeziehung selbst entlegener
Gebiete in immer dichter werdende Kommunikationsnetze vermeintlich an
den Rand gedrängt worden. Und doch verwundert der anhaltende Gebrauch
des Begriffs in höchst unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten:
Vom "Wunder von Bern" bis zum "Wirtschaftswunder", von "Wunderwaffen"
bis zu "Wunderheilungen", von "Wundern der Technik" bis zu "wonder
bras": Wunder sind aus der Moderne nicht wegzudenken. Ganz offenkundig
stellt die Zuschreibung eines 'Wunders' noch immer eine zentrale Form
der Verarbeitung und Aneignung ungewöhnlicher Ereignisse und
außeralltäglicher Erfahrungen dar.
Die Konferenz beruht auf der Annahme, dass die Beschäftigung mit
Wundern neue Perspektiven auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts
erschließt. Der Begriff des Wunders erlaubt es, das Exzeptionelle in
modernen Gesellschaften, ihre soziale Konstituierung,
Normalitätsannahmen und Wissensgrenzen zu thematisieren. Die Tagung
beabsichtigt, den in dem Begriff kristallisierten Ereignissen,
Wahrnehmungen und Praktiken nachzuspüren. Dabei gilt es, einerseits
vom deutlichen Innovationsvorsprung der Forschungen zu
mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wunderwelten zu profitieren,
andererseits den Fortgang kontroverser Debatten um die
Wiederverzauberung der Welt, die Epistemologie des Übersinnlichen und
die Geschichte westlicher Esoterik im 19. Jahrhundert in der
Zeitgeschichte zu verfolgen.
Zugleich knüpft die Konferenz an das aktuelle historische Interesse an
Transformationen des Religiösen an, geht dabei über das Feld der
Religionsgeschichte im engeren Sinne jedoch hinaus. Schon im
Mittelalter waren Wunder keineswegs auf den Bereich des Religiösen
(miracula) beschränkt, sondern umfassten ebenfalls Natur- und
weltliche Wunder (prodigia bzw. mirabilia). Entsprechend steht hier
nicht die Frage nach einer vermeintlichen Profanisierung des Wunders,
sondern der Umgang mit wunderhaften Begebenheiten innerhalb der
zugleich religiösen und säkularisierten Denk- und Wissenssysteme des
20. Jahrhunderts im Zentrum.
Die Tagung findet vom 19. bis zum 21. März 2009 am
Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen statt. Sie wird von
Alexander Geppert (Cambridge, MA) und Till Kössler (Madrid) geleitet
und in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Geschichte + Theorie (AG+T)
veranstaltet. Ihre Teilnahme bereits zugesagt haben Martin Baumeister
(München), Friedrich Jaeger (Essen), Paul Nolte (Berlin), Diethard
Sawicki (Paderborn), Uwe Schellinger (Freiburg i.Br.), Gabriela
Signori (Konstanz) und Bernd Weisbrod (Göttingen).
Wir bitten, Bewerbungen für einen 20minütigen Vortrag (kurzer
Lebenslauf und Abstract im Umfang von nicht mehr als 300 Wörtern) bis
zum 30. Mai 2008 an beide Veranstalter zugleich zu senden.
Voraussichtlich werden die Kosten der Tagungsteilnahme (Anreise,
Unterkunft, Verpflegung) für Referenten übernommen werden können.
Tagungsbeiträge im Umfang von etwa 10-15 Seiten sollen drei Wochen vor
Beginn schriftlich vorliegen, damit sie vorab unter allen Teilnehmern
zirkuliert werden können. Konferenzsprache ist Deutsch,
englischsprachige Beiträge sind jedoch ebenfalls willkommen. Bei
Rückfragen stehen wir selbstverständlich gern zur Verfügung.
Alexander C.T. Geppert
Harvard University
geppert@fas.harvard.edu
+1 (617) 495-4303 ext.218
Till Kössler
Universidad Complutense de Madrid
till.koessler@lmu.de
+34 (91) 5064518
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